Rezensionen zu Abyssos

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Randolph C. auf Amazon, 1. März 2015

Abgründig aber großartig!

Mit welchem ungeheuren Elan und welchem erfrischenden Enthusiasmus die Macher des Magazins “Visionarium” zu Werke gehen, sieht man unter anderem auch daran, daß sie bereits eine 160 Seiten starke Sonderausgabe veröffentlicht haben. “Visionarium” hat unter dem Motto “Abyssos – Geschichten aus dem Abgrund” zu einem Kurzgeschichtenwettbewerb aufgerufen, und die zehn besten, von einer Jury ausgewählten Stories (plus eines Gedichtes zur Einstimmung) liegen nun in dieser Form vor.

Werner Skibars “Einmal werde ich Madeleine wiedersehen” beginnt in den 1930er-Jahren und handelt von einem Jungen, der in seine wunderschöne Halbschwester verliebt ist. Eine verbotene Liebe, die keine Zukunft hat, zumal der Zweite Weltkrieg vor dem Ausbruch steht. In “Zähne” von Thomas McSweeny rächt sich ein nachtragender Zahnarzt an seiner Ex und stößt damit eine Tür auf, die er besser niemals geöffnet hätte. Die abgefahrenste und schrägste Geschichte stammt von Karin Reddemann und heißt “Gut geträumt, Bruder”. Darin bekommen es zwei Brüder mit einer riesigen, gefräßigen, ejakulierenden Made mit Zylinder zu tun. Nach Marrakesch entführt uns Philipp Schaab und läßt in “Amal” drei Touristen nach einem Bombenanschlag durch die verzweigte Stadt irren. Im Anschluß finden wir uns plötzlich mit der kleinen Mareike auf einem Rummelplatz wieder. In “Matrjoschka” von Jan Lindner fragt sie ihren Papa, welches Tier er gerne sein würde, und staunt nicht schlecht. Um eine mysteriöse Tenorblockflöte geht es in Andrea Tillmanns’ “In den tiefsten Tönen”. Der Spieler entlockt dieser Flöte nämlich solch tiefe Töne, daß er damit quasi die Welt aus den Fugen hebt. Apokalyptisch wird es auch in “Die Evokations-Theorie”, wo die Zivilisation zerfällt, als eine Art Tollwut um sich greift. Mit viel schwarzem Humor und bösartigen Spitzen schildert Klaus Schwab, wie sein egoistischer Protagonist eine Gruppe kennenlernt, welche ausgerechnet die Großen Alten beschwören will, um das Chaos zu beseitigen. Die Legende besagt, daß der Teufel höchstpersönlich die Burg Rheingrafenstein auf ihren Felsen gesetzt hat. Und tatsächlich scheint es dort zu spuken. Doch “Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?”, wenn er doch so nett ist und eigentlich nur spielen will? Die siebenjährige Hedwig bestimmt nicht, wie Corinna Schattauer in ihrem grausigen Beitrag so kindlich plausibel und unschuldig naiv enthüllt. Es folgt “Abgrund ruft nach Abgrund” von Erik R. Andara, wo es der Protagonist Lester mit einem blutrünstigen Dämon zu tun bekommt, der als erstes das Herz seiner Freundin verspeist. Irgendwie blöd, hat er ihn doch selbst gerufen. Und zum Ausklang kredenzt uns Mike Jansen mit “Herr Steckelbein” ein leckeres Fantasy/Horror-Gebräu in postapokalyptischer Zukunft. Der titelgebende Antiheld verfolgt eine Art Zombie und bringt ihn auch zur Strecke, doch dann… ach, das müßt ihr schon selbst lesen.

Die thematische und stilistische Bandbreite der Stories ist enorm, wobei selbst die schlechteste Geschichte immer noch gut ist. Ich hätte nie gedacht (dummer Ignorant, der ich war), daß es im deutschsprachigen Raum eine solch schillernde Autorenvielfalt im Genre gibt, die noch dazu so fantastische, großartige und abgründige Geschichten zu erzählen imstande sind. Asche über mein Haupt. Meine Favoriten in diesem Band sind die Stories, die den Zuschauer so gekonnt wie geschickt mit bösartigem Humor und/oder grotesken Ideen ködern, bis er sich hilflos in ihrem Netz verfängt: “Gut geträumt, Bruder”, “Die Evokations-Theorie” und “Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?” fallen meiner Ansicht nach in die Must-Read-Kategorie.

Jürgen auf Amazon, 29. Oktober 2014

Erstklassig!

Es tut unsagbar gut, über in Österreich eine Serie zu veröffentlicht zu sehen, die sich der guten phantastischen Literatur, vor allem des dunkleren Couleurs, verschrieben hat. Wenn dann noch jungen Autoren die Möglichkeit geboten wird, ihre Geschichten zu veröffentlichen dann ist das nur ein weiterer Stein in der Exzellenz dieser Reihe. Und lassen Sie sich gesagt sein – die Qualität aller hier veröffentlichten Geschichten ist beeindruckend. Es ist zu hoffen, dass von dort, wo diese hergekommen sind, noch viel mehr von der gleichen Machart kommen wird. Ich persönlich zeige mich da ja zuversichtlich.

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