Rezensionen zum Sonderheft 1

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Randolph C. auf Amazon, 8. März 2015

Vergnüglich sündhaft, lustvoll ungesund & ganz großartig

Nach der tollen Kurzgeschichtensammlung „Abyssos – Geschichten aus dem Abgrund“ folgt mit „Sündhafte Vergnügungen“ gleich ein weiteres Sonderheft aus dem Hause „Visionarium“. Das Backcover teast schon mal vielversprechend: „Guilty Pleasures werden von uns nicht schamhaft verschwiegen, im Gegenteil – im ersten Visionarium Sonderheft zelebrieren wir die perverse Faszination an allem, was Gott verboten hat!“ Sex, Drugs & Rock ’n‘ Roll also? Fast. Das 230 Seiten starke Büchlein ist in fünf Themengebiete unterteilt: Sex, Drogen, Gewalt, Nerdtum und Hauntology. Zu jedem Thema wird uns eine „lustvoll ungesunde Kurzgeschichte“ kredenzt; außerdem werden die verschiedenen Abschnitte durch diverse Interviews, Reportagen und Hintergrundberichte abgerundet.

In Jeta A. Zhitias Eröffnungsstory „Für Sara“ entflammt von Kindheit an eine verbotene Liebe zwischen Sara und unserem Protagonisten. Verschachtelt erzählt, mit einem Gespür für Poesie, wird das gegenseitige Begehren glaubhaft und nachvollziehbar geschildert. Die letzten beiden Worte der Geschichte überraschten mich nicht; tatsächlich habe ich sie erwartet.

Der Beitrag zur Drogen-Thematik stammt von Karin Jirsak und heißt „Afterhour“. Jetzt ist es schon wieder passiert. Eigentlich wollte Wanda niemals mehr bis zum Blackout saufen, doch nun wacht sie ohne Erinnerung an die vergangenen Stunden mitten in der Nacht im Spreewaldpark auf. Die Suche nach einem Ausgang aus dem umzäunten Gelände des lange verlassenen Vergnügungsparkes entwickelt sich zu einer beunruhigenden Odyssee. Locker, salopp und schwarzhumorig in der Egoperspektive geschrieben, entwickelt die Story von der ersten Zeile einen schönen Fluß, der einen nicht mehr los läßt. Und wenn einem dann dämmert, worauf das Ganze hinausläuft, bleibt einem glatt die Luft weg. Großartig.

Nun wird es richtig abartig! In John Aysas „Achtarm-Skizzen“ überrennen sexgeile Tentakelmonster die Welt. Der Autor gewährt uns einen kleinen, ungeschönten Blick in ein blut-, schleim- und spermatriefendes Endzeitszenario, wie es sich selbst Hieronymus Bosch in seinen schlimmsten Alpträumen nicht auszumalen gewagt hätte. Eine schonungslos-deftige Gewalt-Hentai-Porno-Tour-de-Force. Gut geschrieben, aber fast schon zu krass.

In „Tabula Rasa“ von J. H. Praßl steht die 12jährige Protagonistin, nachdem sie nachts von drei Männern überrumpelt wurde, am Scheideweg. Wird sie sterben oder überleben? Ist sie Opfer oder Täter? Angesiedelt in einer mittelalterlichen Rollenspielwelt schildert das Ehepaar Praßl packend und nachvollziehbar den beinharten Überlebenskampf eines jungen Mädchens in den Fängen von Scheusalen, wobei auch ihre Gefühle in dieser Extremsituation nicht zu kurz kommen. Stark.

Die letzte Kurzgeschichte stammt von Thomas McSweeny und heißt „Teufelstum“. Irgendwann mußte es ja mal passieren. Dies ist die erste Story in einem Visionarium-Magazin, mit der ich nicht viel anfangen konnte. Zugegeben, die Geschichte um Verführung und Beschwörung, Lust und Malerei ist gut geschrieben und strahlt eine eigentümliche Faszination aus, aber irgendwie wollte der Funke nicht überspringen.

Zu jede dieser fünf Geschichten gibt es eine treffende Illustration bzw. Photographie, und all die Künstler, die an diesem Buch – in welcher Form auch immer – mitgearbeitet haben, werden auf bewährte Weise vorgestellt. Des Weiteren bekommt der geneigte Leser Folgendes geboten: Ein hochinteressantes Interview mit einem Sexualmagier (was es nicht alles gibt!); ein faszinierendes Gespräch mit einem gewissen Herrn Leopold, einem erfahrenen Psychonauten, der mit bewußtseinserweiternden Drogen und Substanzen schon manch außergewöhnliche Reise vollführt hat; ein knochentrockenes Interview mit einem ehemaligen Fremdenlegionär, der sich kein Blatt vor den Mund nimmt; ein Gespräch mit dem Ehepaar Praßl über gelebte Fantasy-Rollenspiele; einen erhellenden Einblick in die Seelenlandschaft der Lektorin Juliane Ehgartner; eine Reportage über ein Vater-Sohn-Sammlergespann (der Vater sammelt u. a. Karl May-Romane, der Sohn deutsche Horrorschundhefte); eine kritische Betrachtung des sogenannten Totenfunks; sowie ein (gleichermaßen amüsantes wie beunruhigendes) Gespräch mit einem Chaosmagier über magische Rohrkrepierer. Wie man sieht, gibt es also viel Schönes im ersten „Visionarium-Sonderheft“ zu entdecken. Klare Kaufempfehlung!

Philipp Schaab auf Amazon, 3. Februar 2015

Wieder einmal saubere Arbeit!

Die Macher vom Visionarium haben sich zum Ende des Jahres noch einmal ins Zeug gelegt und ein neues Sonderheft heraus gebracht. In fünf Kapiteln werden Leser Geschichten, Interviews und Reportagen zu den Themen Sex, Drogen, Nerdtum, Hauntology und Gewalt angeboten. Die Reportagen und Interviews sind informativ, teilweise auch ziemlich schockierend. Als Beispiel wäre das Gespräch mit einem ehemaligen Fremdenlegionär zu nennen, der ebenso lakonisch über Tötungseinsätze und den Konsum von Fäkalien in der Ausbildung spricht, wie über die schwierige Zeit nach dem Dienst, wenn eine Killermaschine sich wieder in das Zivilleben integrieren muss. Weitere erhellende Interviews setzen sich u. a. mit den Themen Sexualmagie und den Gebrauch haluzinogener Drogen auseinander.
Unter den zumeist gelungenen Geschichten sticht vor allem Karin Jirsaks Story “Afterhour” hervor, in der ein nächtlicher Trip in einem heruntergekommenen Vergnügungspark immer unheimlichere und schließlich andersweltliche Dimensionen annimmt. Wieder einmal beeindruckt das Visionarium mit einer schönen graphischen Gestaltung und tollen Illustrationen zu den Geschichten. Fazit: die Macher vom Visionarium haben wieder alle Register gezogen und ein Werk geschaffen, das sein Geld allemal wert ist.

Hurdy Gurdy Ma’am auf ihrem Blog, 22. Dezember 2014

Sex, Drugs & Totenfunk: VISIONARIUM präsentiert “Sündhafte Vergnügungen”

Schnell noch ein unchristlicher Literaturtipp zur Weihnacht: In der Sonderausgabe der von Hurdy Gurdy (schon der Idee wegen) gefeierten „Gazette für phantastische Abwege“ dreht sich alles um „Sündhafte Vergnügungen“ aller Couleur. Und man muss schon sagen, da haben sich die Herren Visionäre, a.k.a. Bernhard Reicher und Dr. Nachtstrom, wirklich mal ‘was getraut. Das kann man schon anhand des einmal mehr von Jörg Vogeltanz gestalteten, diesmal in sündiges Scharlachrot getauchten Covers erahnen.

Und die Füllung? Alles, was das dunkle Herz begehrt. Sex, Drogen, Gewalt, und viele guilty pleasures mehr.

In der ersten Story, „Für Sara“ von Jeta A. Zhitia, erfahren wir zum Beispiel, dass Cunnilingus keine Wolke ist. Sondern? Ha! Googelt selbst. Oder besser, lest „Für Sara“. Aber genießt die Sinneslust nicht allzu unbedarft, denn dieses Vergnügen könnte Euch im Hals stecken bleiben…

Die zweite Story, Karin Jirsaks „Afterhour“, nimmt uns dann mit auf einen nächtlichen Horrortrip durch ein verrottendes Wunderland, konkreter gesagt in den Berliner Spreepark, der seit 2002 geschlossen ist und seitdem aufs Malerischste verfällt.

Nicht weniger hoffnungslos, aber um einiges derber geht es in John Aysas „Achtarm-Skizzen“ zu. Ein paar Stichworte: Aliens, Analverkehr, Apokalypse. Heftig, heftig – wie von Herrn Aysa nicht anders zu erwarten!

Um den sündhaften Reiz der Gewalt geht es auch im phantastisch angehauchten Beitrag von J. H. Praßl. In „Tabula Rasa“ entdeckt eine junge Frau das Töten für sich und beschließt, die Profession der Assassinin zu ergreifen. Warum denn auch nicht?

„Teufelstum“ von Thomas McSweeny schließt den Kreis der Versuchung in Form einer ebenso faustischen wie flüchtigen Begegnung mit dem Ewigen Verführer.

Obendrauf auf’s literarische Sündenpaket gibt’s passende Illustrationen verschiedener Künstlerinnen und Künstler und Interviews und Reportagen, die jeweils thematisch auf die Short Storys abgestimmt sind: Beunruhigend tief lassen uns Bernhard Reicher und Dr. Nachtstrom darin in die zwielichtigsten Welten eintauchen. So spricht Reicher u.a. mit einem Sexualmagier, einem LSD-Reisenden und einem ehemaligen Fremdenlegionär (und JA, man fragt sich, woher der Interviewer nur immer diese ganzen Leute kennt!), und der Doc liefert u.a. eine fundierte Abhandlung über das zweifelhafte Vergnügen, Gespräche mit Toten aufzuzeichnen.

Fazit: Zum Jahresende übertrumpfen sich die österreichischen Dunkelmänner vom VISIONARIUM noch mal selbst und setzen mit ihrer Sonderausgabe ein (scharlachrotes) Signal an die deutschsprachige Phantastikszene (und das sage ich sicher nicht nur, weil da auch Hurdy Gurdys eigene Sünden mit drin stecken!^^). Doch seid gewarnt: Das weirde Zeug, das Reicher und Nachtstrom hier bündeln, ist nicht unbedingt ‘was für Babys, Sittenwächter*innen & Zartbesaitete (aber die treiben sich hier ja eh nur selten rum). Bleibt nur zu sagen: Weiter so im nächsten Jahr!

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